Waschen und Pressen

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Waschen und Pressen

Beitragvon Sternenquilter » Mi 11. Apr 2018, 09:06

Waschen und Pressen (nicht Bügeln!) (laaaaaang!)

Pressen ist ein wichtiger Vorgang beim Patchen. Pressen macht einen Unterschied, ob der Block flach liegt mit perfekt passenden Teilen, oder wo alle Nahtzugaben (NZG) leicht daneben treffen.

Man sollte immer daran denken, das Bügeleisen nicht kreuz und quer mit Druck über den Stoff zu schieben.Wenn man noch unbeschnittene Stoffe presst, sollte man immer mit dem Fadenlauf pressen, also in Richtung der Webkante. Presst man quer, also in Schussrichtung des Stoffes, kann sich der Stoff schon verziehen. Einfach mal ausprobieren, das kann man sehen. Niemals kreisförmig pressen. Damit verzieht sich der Stoff so, daß man kaum gerade Stücke schneiden kann.

Vorwaschen - oder nicht?

Ich empfehle alle Stoffe vorzuwaschen, auch wenn es viele QuilterInnen nicht tun, und zwar weil:
- überschüssige Farbe herausgewaschen wird
- Schmutz und Öl von Herstellung und Transport entfernt werden
- der Stoff auf natürliche Weise einläuft, wie Baumwolle es nun mal gerne tut
- Chemikalien, die während des Färbeprozesses verwendet werden, besonders Formaldehyd, entfernt werden

Formaldehyd kann ernste Atemprobleme auslösen, besonders, wenn man dem längere Zeit ausgesetzt ist. Ein großer Stapel ungewaschener Stoffe wird Formaldehyd in die Atemluft der Wohnung ausdünsten. Ist die Lunge einmal geschädigt, kann das nicht rückgängig gemacht werden.

Stoff sollte mit wenig Vollwaschmittel in Pulverform gewaschen werden. Das Trägermaterial des Pulvers wirkt wie ein Schwamm für lose, nicht fixierte Farbpartikel. Mit der Temperatur waschen, mit der der Quilt später auch gewaschen werden soll. Im Trockner nur auf knapp trocken trocknen, dann falten und weglegen. So entstehen weniger Falten. Bügeln ist nicht nötig,wenn der Stoff nicht sofort verwendet wird, weil man vor dem Zuschnitt die Stoffe sowieso bügeln sollte, damit der beim Zuschneiden flach liegt.

Waschen entfernt die Stärke, die vom Hersteller verwendet wird. Manchmal merkt man danach, daß der Stoff von minderer Qualität ist, und man sollte sich gut überlegen, ihn in einem Quilt zu verwenden. In den meisten Fällen heißt das, daß helle Stoffe weich sind und leicht dehnbar. Ich stärke alle weißen und hellen Stoffe (helle Stoffe = wenig/keine Farbpigmente = weicher als dunkle Stoffe).

Dampf:
Ständig mit Dampf zu bügeln bedeutet, daß die Form der Teile verzogen wird. Das Bügeleisen auf Baumwolleinstellung sollte heiß genug für die meisten Nähte sein. Wenn die störrische Falte nicht rausgehen will oder die Naht partout nicht flach liegt, lieber zur Sprühflasche greifen! Etwa 30 Sekunden einwirken lassen, damit das Wasser auch in die Fasern dringen kann, dann erst das Bügeleisen drauf setzen (NIE schieben!). So verhindert man, daß das ganze Teil sich verzieht.

Die Sprühflasche ist sehr sinnvoll, wenn man Nähte offen bügeln will (was ich möglichst vermeide, aber das ist ein anderes Thema). Die NZG auffalten und vorsichtig etwas Wasser hinein sprühen, ca. 30 sek. warten, dann mit der Spitze des Bügeleisens die Naht öffnen und pressen. Wenn die NZG gepresst ist, den Block umdrehen und noch von der rechten Seite pressen.

Normalerweise presse ich meine genähten Teile erst mal so, wie ich sie genäht habe, also auf dem Garn. Dadurch schlüpft das Garn schön in den Stoff, und die NZG lässt sich besser aufpressen. Dazu den oberen Stoff etwas anheben, mit dem Bügeleisen den unteren Stoff pressen, Richtung NZG gehen, vorsichtig an der NZG entlang pressen. Dann erst den oberen Stoff ganz auffalten und pressen.

Streifen:
Viele Quilts werden aus Streifen genäht. Wenn man zwei Streifen aus der vollen Stoffbreite zusammennäht, sollte man vorher messen, ob die Stoffbreite bei beiden Stoffen auch gleich ist! Gleich lange Streifen braucht man nicht zu stecken, ich mache gerne 4 Wonder Clips dran: 1 in der Mitte, 1 am Ende, und je 1 zwischen Mitte/Ende bzw. Anfang/Mitte. Am Anfang brauche ich keine Klammer.

Die richtige Fadenspannung ist wichtig! Ist die Fadenspannung zu fest, wird der Stoff fast eingekräuselt, und die Streifen werden sich wölben. Wölbung kann allerdings auch durch bügeln passieren!

Die genähten Streifen mit dem dunkeleren Stoff nach oben (bzw. dem Stoff, zu dem die NZG gebügelt werden soll) auf die Bügelunterlage legen, und pressen, wie oben beschrieben, also zuerst so, wie genäht wurde, dann leicht öffnen und von der Mitte her nach außen entlang der NZG pressen, dann erst auffalten und von der Mitte her nach außen pressen.
Liebe Grüße,
Susanne (Listmom)
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