Perfekte Blöcke

Moderator: Sternenquilter

Perfekte Blöcke

Beitragvon Sternenquilter » Mi 11. Sep 2019, 11:20

Ich quilte jetzt seit.... 34 Jahren, und meine Blöcke werden eigentlich immer (fast) perfekt. Ich habe für mich herausgefunden, was geht und was nicht geht! Ein paar meiner Tricks:

- den Stoff leicht stärken vor dem Zuschneiden. Er dehnt sich dann nicht so sehr. Ich verwende dafür Evi-Dur Dauer-Appretur (die Flasche habe ich tatsächlich seit 1984!), flüssige Stärke, die man wie gewünscht verdünnen kann. Zur Not fertige Sprühstärke in eine Pumpflasche sprühen und das verdünnen.

- die Nahtzugabe überprüfen: das muss einfach sein! Besonders, wenn man die Nadelposition verstellt, um z.B. in inch zu nähen, statt einen Inch-Fuß anzuschaffen. Klar, ist die günstigere Lösung, aber ärgerlich, wenn man die Nadelposition eben nicht verstellt und sich wundert, daß die Blöcke kleiner werden.

- Teile zusammenstecken: ob mit Stecknadeln oder diesen wunderbaren Wonder Clips, es verschiebt sich einfach nicht so sehr.

- Streifentechnik anwenden: wann immer möglich, immer erst Streifen zusammen nähen, dann aus der Streifenkombination das gewünschte Teil ausschneiden. Dabei den Fadenlauf beachten, weil:

- schräger Fadenlauf an der äußeren Block-Kante ist schwierig zu kontrollieren, die Blöcke verziehen sich dann gerne mal, nicht nur beim Nähen, auch beim Bügeln, was man vermeiden kann, wenn man:

- beim Zusammennähen von geradem und schrägem Fadenlauf das "gerade" Teil nach oben und das "schräge" Teil nach unten legt, dann kann der Fuß oben schieben, der untere Transport hält das untere Teil ein. Probiert's mal anders rum aus, da gehen einem die Augen auf.

- wenn man in Streifentechnik arbeitet, oder viele Streifen vom Stoff abschneidet, immer mal wieder kontrollieren, ob das Lineal noch im Fadenlauf liegt bzw. gerade liegt. Gelegentlich muss man das um 1 mm korrigieren, damit man bei langen Streifen keinen "V-Schnitt" macht - will heißen: wenn das Lineal nicht im 90°-Winkel auf dem Stoffbruch liegt, sieht der Streifen nach dem Auffalten aus wie ein V. Was wir nicht möchten.

- Nahtkreuzungen exakt aufeinander legen. Es hilft, wenn man die obere NZG zur Maschine zeigen lässt und die untere zu einem selber, wann immer möglich (geht nicht immer). So bremst die obere NZG das obere Teil etwas aus, und es kann nicht so leicht über das untere Teil rutschen. Anders herum verrutscht das gerne. Auch gerne mal ausprobieren! Besonders gerne verschieben sich die Teile, die in Schussrichtung der Webfäden liegen. Außerdem kann sich die NZG unten nicht umklappen, wenn sie schon zu einem selber hin zeigt. Manche Maschinen haben nämlich einen kleinen Absatz an der Stichplatte, die das gerne verursacht.

- Wenn eine Nahtkreuzung z.B. bei einem achtzackigen Stern exakt sitzen soll, nähe ich erst mit der größtmöglichen Stichlänge über diese Stelle drüber, mit der Oberfadenspannung ganz locker. Dann sehe ich nach, ob es 100% getroffen hat. Wenn ja - Stichlänge und Spannung auf normal stellen, drübernähen, fertig. Wenn nein, geht der "Heftfaden" ganz einfach rauszuziehen bei verstellter Spannung! Neuer Versuch - bis es klappt.

- Trifft die Nahtkreuzung mal nicht so gut, auch beim x-ten Mal nicht: auftrennen! Und evtl. die Teile von der anderen Seite zusammen nähen, so daß die Maschine in die andere Richtung schiebt. Oft passt es dann 100%ig.

- Hat man eine Einheit genäht: nachmessen, ob das Maß stimmt. Denn Fehler summieren sich. Lieber schneide ich ein 4-Patch größer zu, nähe, und schneide nochmal zurecht. Auch wenn das mehr Arbeit ist: es lohnt sich, weil es sich nachher einfacher zusammen nähen lässt.

- Sorgfältig pressen (nicht bügeln!). Damit die Nähte flach bleiben und nicht wieder "auferstehen", stelle ich ein KALTES (altes, schweres) Bügeleisen drauf, dann bleiben die NZG auch unten. Freiweillig :weissnix
Liebe Grüße,
Susanne (Listmom)
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Re: Perfekte Blöcke

Beitragvon iggi » Mi 11. Sep 2019, 18:04

Das sind genau die Tipps, die in keinem Patchwork-Buch zu finden sind. Und in den Youtube-Videos machen es die Mädels wahrscheinlich genau so, sagen es aber nicht dazu (weil sie es für selbstverständlich halten). Und wenn man es dann selber macht, wundert man sich, warum es nicht klappen will, obwohl man alles genau so gemacht hat, wie im Video - denkt man!

Vielen Dank, Susanne, dass Du uns an Deinen "kleinen Geheimnissen" teilhaben lässt! :daumenhoch
Viele Grüße
Ingrid :winkewinke

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Re: Perfekte Blöcke

Beitragvon wollbine » Mi 11. Sep 2019, 19:33

Dem kann ich mir nur Ingrid anschließen. Solche kleinen, aber entscheidenden Kniffe findet man in keinem Buch oder Video. Was mir ganz besonders gut an den Tricks von Susanne gefällt, ist, dass sie auch erklärt warum und weshalb das so und nicht unbedingt so klappen kann oder wo sich Fehler einschleichen könnten und das machen, liebe Susanne, deine Tipps so wertvoll. DANKE
Liebe Grüße
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Re: Perfekte Blöcke

Beitragvon Sternenquilter » Mi 11. Sep 2019, 21:04

Ich freue mich, wenn ich Euch das Leben ein wenig leichter machen kann. Ich habe anfangs jeden Fehler selber gemacht :floet aber das muss mir nicht unbedingt jede nachmachen...
Liebe Grüße,
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Re: Perfekte Blöcke

Beitragvon wollbine » Do 12. Sep 2019, 12:31

Ja, aber nicht jeder ist so freigiebig mit seinen Tipps. Hab‘ da schon ganz andere Aussagen zu hören bekommen. Und deshalb ein dickes DANKE
Liebe Grüße
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Re: Perfekte Blöcke

Beitragvon Sternenquilter » Do 12. Sep 2019, 17:34

Die Aussagen kenne ich - "Sie können einen Kurs bei mir machen" :floet neneneneee, ich gebe das wirklich gerne weiter. Denn genau DIE Ansichten haben mich von Anfang an gestört. Gut, wenn es jetzt eine bestimmte Technik ist, würde ich wohl auch einen Kurs geben wollen. Aber Dinge, die man in 2 Sekunden erklärt hat... :scratch
Liebe Grüße,
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Re: Perfekte Blöcke

Beitragvon iggi » Do 12. Sep 2019, 19:31

Selbst in einem Kurs kriegt man nicht unbedingt etwas erklärt:
Mein erster Patchworkkurs an der VHS (der einzige, der angeboten wurde); in der Vorbesprechnung habe ich der Kursleiterin erklärt, was ich machen will, nämlich einen Quilt, keine Tasche (war ein Taschenkurs). Nö, nö, ist ok, man kann auch einen Quilt nähen!
Dann im Kurs: Alle Damen kannten sich untereinender, eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Kursleiterin hat sich meine Sachen angesehen und gemeint:"Na, da haben Sie sich ja ganz schön was vorgenommen!" Danach hat sie sich nur noch um die Taschen gekümmert. Eine einzige Teilnehmerin hat mir ab und zu einen Tip gegeben, aber die war ja auch mit ihrer Tasche ausgelastet.
Ich wundere mich bis heute, dass ich nicht aufgegeben habe!

Da sind Leute wie Du, Susanne, die reinste Offenbarung!
Viele Grüße
Ingrid :winkewinke

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Re: Perfekte Blöcke

Beitragvon Sternenquilter » Do 12. Sep 2019, 20:45

iggi hat geschrieben:Da sind Leute wie Du, Susanne, die reinste Offenbarung!


:rotwerd :rotwerd :rotwerd :rotwerd

Mein erster, einziger und letzter Patchworkkurs lief nach dem Motto "Die Blinde führt die Blinden". Die Dame wusste selber nix. Ich habe mir alles, wirklich alles selber autodidaktisch angeeignet, weil es einfach keine Quellen gab - weder Bücher, noch Garn, noch Nadeln, geschweige denn Quiltschablonen oder Rollschneider. Allerdings habe ich schon immer genäht und Handarbeiten aller Art gemacht, und als Linkspfote bekam man in der Schule sicher keine Hilfe! Also Augen zu und durch. Auch bei mir ist es ein Wunder, daß ich nicht aufgegeben habe. Ich stricke und häkle rechtshändig, weil meine Mutter mir das so beigebracht hat. Alles andere mache ich "mit links" :floet und es geht!

Da freue ich mich um so mehr, wenn ich jemandem mit einem Tipp helfen kann - manchmal sind es ja ganz einfache Dinge.
Liebe Grüße,
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