Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Moderator: Sternenquilter

Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon Sternenquilter » Mo 27. Jan 2020, 09:25

Hilfe... welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen? Da haben wir die Qual der Wahl, denn die Auswahl ist groß: hier eine kleine Zusammenfassung.

Es gibt Rundkolben- und Flachkolben-Nadeln, beide Systeme werden bei Haushaltsnähmaschinen eingesetzt. Flachkolbennadeln haben die Systembezeichnung 130/705 H, Rundkolbennadeln die Bezeichnung 287 WH bzw. 1738 A.

Die bekanntesten Hersteller für Nähmaschinennadeln sind Schmetz und Organ. Billige Nadeln sind meist keine Qualitätsprodukte, entweder ist das Stichbild schlecht, oder die Nadeln sind sehr schnell abgenutzt oder biegen und brechen leicht.

Es gibt verschiedene Nadelstärken (NM): 60 - 65 - 70 - 75 - 80 - 90 - 100 - 110 - 120 - 125 - 130. Diese Zahl ist der Schaftdurchmesser in 1/100 mm. NM 60 entspricht einem Schaftdurchmesser von 0,6 mm, NM 130 einem Schaftdurchmesser von 1,3 mm.

Auf Nadeln bzw. der Verpackung ist häufig eine Bezeichnung angegeben wie z.B. 90/14, die zweite Zahl steht für das ältere Singer-System der Nadelstärke (in den USA gebräuchlicher).

Die Nadelstärke sollte passend zum Stoff gewählt werden. Bei dünnen, leichten Stoffen eine dünnere Nadel, bei dicken, festen Stoffen oder sehr vielen Stofflagen eine dickere Nadel.

Weil bei uns das System 130/705 H gebräuchlicher ist, beziehe ich mich im folgenden Text nur darauf.

Bei Schmetz Nadeln sind neuerdings die verschiedenen Nadelstärken durch die untere Farbmarkierung gekennzeichnet. Und es gibt unterschiedliche Nadeltypen für unterschiedliche Arten von Stoff, die nun durch die obere Farbmarkierung gekennzeichnet sind.
Ältere Nadeln oder Nadeln von anderen Herstellern, die keine Farbmarkierung haben, kann man z.B. mit Nagellack, Sprühlack oder Permanentmarker farblich markieren.

Die am häufigsten eingesetzte Nadel ist die Universalnadel (130/705-H), die für viele Stoffarten geeignet ist. Diese hat nur eine Farbmarkierung für die Nadelstärke. Universalnadeln gibt es in NM 60 bis NM 130. Die Nadelspitze ist leicht abgerundet. Material, das mit der Universalnadel genäht werden kann, ist Baumwoll-Webware, Popeline, Anzugstoff, Batist, Brokat, Chambray, Chenille, nicht dehnbarer Cord, Filz, Baumwollfleece, Frottee, Halbleinen und Leinen, Jacquard, Loden, Mantelstoffe, Nessel, Polyesterstoffe, Seersucker, Tüll, Velours, gewebte Viskosestoffe, Voile und Wollgewebe.

Jerseynadeln (130/705 H-SUK) haben eine leichte Kugelspitze, sie sind nur etwas abgerundet. So gleiten sie durch die Maschen und zerschneiden die Fasern nicht, der Stoff könnte Löcher bekommen. Jerseynadeln sind in NM 70 bis NM 100 erhältlich, sie sind orange markiert. Sie sind nur für wenig dehnbare Strick- und Wirkwaren aus 100% Baumwolle geeignet, außerdem für Ajour, Bouclé, Gaze, Pelzimitation und Webpelz.

Stretchnadeln (130/705 H-S) sind sozusagen die Weiterentwicklung der Jerseynadeln. Sie haben neben einer Kugelspitze auch noch einen Hohlkehlschaft sowie ein besonders geformtes Nadelöhr. Fehlstiche werden vermieden, es werden keine Stiche ausgelassen oder falsch gestochen. Stretchnadeln gibt es in NM 65, 75 und 90, sie sind gelb markiert.
Stretchnadeln sind für elastische und hochelastische Maschenwaren geeignet. Dazu gehören Jersey mit Elasthan, Bündchen, dehnbarer Fleece, Ausbrennersamt, Feinjersey, Single Jersey, Lycra, Seiden Jersey, Miederstoffe, Nicki, Pannesamt, Samt, Sweat und Viskose Jersey.

Einen sichtbaren Unterschied zwischen der normalen Spitze der Universalnadel und der Kugelspitze bei Jersey- und Stretchnadeln gibt es nicht, man kann ihn mit der Fingerspitze auch nicht fühlen. Aber wenn man mit der Spitze vorsichtig über den Fingernagel kratzt, dann merkt man einen deutlichen Unterschied.

Jeansnadeln (130/705 H-J) sind blau markiert. Sie haben eine kleine Kugelspitze, um leichter und ohne Materialschäden durch feste Stoffe dringen zu können. Zudem haben sie einen verstärkten Schaft, damit die Nadel weniger stark ausgelenkt wird. Vermieden werden so Nadelbrüche und Fehlstiche. Jeansnadeln gibt es in NM 70 bis NM 110, sie sind für Arbeitskleidung, Denim, Jeans, Köper und Segeltuch geeignet.

Ledernadeln (130/705 H-LL) haben eine braun Markierung und eine Schneidspitze (Lederlinksspitze). So stechen sie leicht durch Leder, zerstören aber Maschenwaren sowie Gurtband. Sie sind in NM 70 bis NM 120 erhältlich. Vorsicht beim Einsetzen in den Nadelhalter, an der Klinge kann man sich den Finger aufschneiden! Sie sind für Leder und sehr dickes, festes Kunstleder geeignet.

Microtex-Nadeln (130/705 H-M) haben eine violette Markierung. Durch die besonders dünne Spitze dringen sie leicht durch feine oder dicht gewebte Stoffe. Sie sind in NM 60 bis NM 110 erhältlich. Besonders geeignet sind sie für gerade Stiche bei Absteppen von Kanten sowie für Materialien wie dünnes Kunstleder, Popeline, Filz, Folien, Wachstuch, Chiffon, Crash, Brokat, Georgette, Crêpe, Lamé, Seide, Softshell, Microfaser, Nylon, Organdy, Organza, Pailettenstoffe, Polyester, Taft und beschichtetes Material.

Quiltnadeln (130/705 H-Q) haben eine besonders dünne und leicht verrundete Spitze. Sie können sehr dicke Lagen gut durchdringen, ohne das Material zu beschädigen. Es gibt sie in NM 75 und NM 90 und sie sind grün markiert. Sie eignen sich zum Quilten sowie für Stepp- und Abstepparbeiten.

Topstitchnadeln (130 N, N = Nachsticknadel) TopStitch - oder auch Nachstichnadeln haben im Vergleich zu Universal- oder Stick-Nadeln ein besonders langes Nadelöhr und sind somit besonders für Zierstiche oder Abstepparbeiten mit mehreren Fäden oder auch zum Nachsticken geeignet. Es gibt sie in NM 70, 80, 90, 100 und 110. Mittlere Kugelspitze. Durch das lange, große Öhr wird der Faden beim Sticken weniger strapaziert, es entsteht weniger Fadenspliss, die Nadel wird nicht so heiß. Das große, lange Nadelöhr gibt dem Faden Spielraum in alle Richtungen, daher sehr gut auch für Metallic Garne geeignet. Sie können auch mal mit 2 Fäden arbeiten.

Sticknadeln (130/705 H-E) haben eine kleine Kugelspitze und ein breiteres Öhr. Die Fadenrinne ist auch extra breit, so dass dickere Fäden und Wollfäden ohne Probleme verwendet werden können. Sie sind in NM 75 und NM 90erhältlich und haben eine rote Markierung.

Metallicnadeln (130 MET) haben ein extra langes Nadelöhr. Man kann damit Spezial- und Effektfäden, vor allem Metallfäden, verarbeiten. Sie haben eine altrosa Markierung, es gibt sie in NM 80 oder NM 90.

Zwillingsnadeln gibt es als Universal-, Stretch-, Jeans-, Metallic- und Sticknadeln. Der Abstand der Nadeln zueinander wird mit NE bezeichnet und in mm angegeben. Zwillingsnadeln gibt es natürlich auch in verschiedenen Nadelstärken.
Bei Zwillingsuniversalnadeln gibt es Nadeln mit NE 1,6 - 2,0 - 2,5 - 3,0 - 4,0 - 6,0 und 8,0 mm, bei Zwillingsstretchnadeln gibt es Nadeln mit NE 2,5 und 4,0 mm. Es eine Zwillingsjeansnadel mit einem NE 4,0 mm.
Und es gibt Drillingsuniversalnadeln mit NE 2,5 und 3,0 mm.

Es ist wichtig zu wissen, dass Nadeln Verschleißteile sind! Fehlstiche und ein schlechtes Stichbild kann man mit einem Nadeltausch vermeiden.

Abgenutzte, stumpfe, verbogene oder nicht zum Stoff passende Nadeln können nicht nur den Stoff kaputt machen oder ein schlechtes Stichbild verursachen, wenn sie brechen, können sie auch leicht ins Gesicht fliegen! Schmetz Nadeln haben allerdings eine Sollbruchstelle: sie brechen so, daß der Schaft in der Maschine stecken bleibt und das abgebrochene Nadelstück mit dem Faden im Öhr.

Das Schmetz Nadel-ABC für Haushaltsnähmaschinen kann ich wärmstens empfehlen!
Zuletzt geändert von Sternenquilter am Mi 29. Jan 2020, 20:14, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Topstitchnadel ergänzt
Liebe Grüße,
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Re: Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon krabbe » Mi 29. Jan 2020, 19:34

Wow!!
Tolle Übersicht.
Danke dafür :knicks :knicks

LG
Renate
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Re: Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon ireneseverac » Do 30. Jan 2020, 07:25

Mensch, Susanne . . . das ist ja fabelhaft, was du alles über Nadeln sagen kannst. Enorm, was es da für Unterschiede gibt. Vielen Dank, dass du dein Wissen mit uns teilst.
:winkewinke :freu :winkewinke
Viele Grüße von Irene, Bremerin in Frankreich
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Re: Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon Sternenquilter » Do 30. Jan 2020, 10:15

Gern geschehen!

Ich probiere es immer erst mit einer Universalnadel - wenn das nicht geht, wechsle ich die Sorte. Bei Jersey und Stretch nehme ich immer die entsprechenden Nadeln, sonst gibt es Löcher im Stoff.
Liebe Grüße,
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Re: Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon Galadriel » Do 30. Jan 2020, 17:11

Vielen Dank, liebe Susanne, für deine ausführlichen Erklärungen. Das Thema Nadeln hatte ich erst vor zwei Tagen mit meiner Freundin.

Sie hatte erzählt, dass ihre Nadel hämmert beim FMQ. Sie verwendet Topstitch-Nadeln, weil sie sagt, dass wegen des größeren Öhrs der Faden nicht so leicht reißt, weil beim FMQ doch recht dran gezerrt wird. Aber ich verstehe jetzt auch, dass die Nadel hämmert, denn die Spitze ist ja stärker gerundet, als bei einer Quiltnadel.

Ich frage mich jetzt, ob eine Quiltnadel doch die bessere Alternative wäre. Ich glaube, sie hat auch relativ viel Batik im Quilt verarbeitet.
Liebe Grüße
Rita
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Re: Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon Sternenquilter » Do 30. Jan 2020, 19:20

Bei Batikstoffen würde ich sogar eher eine Microtex oder Jeansnadeln nehmen. Muss man ausprobieren, was am besten geht!
Liebe Grüße,
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Re: Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon Galadriel » Fr 31. Jan 2020, 05:50

Danke für den Tipp, Susanne.
Liebe Grüße
Rita
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Re: Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon christianeA » Fr 31. Jan 2020, 08:33

Vielen Dank für diese ausführlich Aufstellung
Liebe Grüsse

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Re: Welche Nähmaschinennadel soll ich nehmen?

Beitragvon QuiltMoni » Fr 31. Jan 2020, 09:00

Vielen Dank :daumenhoch :daumenhoch :daumenhoch :daumenhoch :daumenhoch
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